Informationen zur Durchführung von testpsychologischen Untersuchungen

Intelligenztests (IQ-Tests) und ganzheitliche Diagnostik von Hochbegabung

Ich führe testpsychologische Untersuchungen mit Kindern und Jugendlichen (aber auch Erwachsenen) durch.
Dabei ist mir eine ganzheitliche Diagnostik, die das Kind in seiner gesamten Entwicklung in den Fokus (intellektuelle, körperliche, soziale und emotionale Entwicklung) nimmt wichtig. Eine ganzheitliche Diagnostik nimmt das Umfeld des Kindes mit in den Blick, um die Situation des Kindes in seinen sozialen Bezügen zu verbessern. Dazu wird an verschiedenen Punkten angesetzt: Am Kind selbst, am Elternverhalten, beim Umfeld (z.B. Schule).
Die ganzheitliche Diagnostik stellt das Kind mit seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Schwierigkeiten in den Mittelpunkt.

Ein wichtiges Element der Diagnostik ist der Intelligenztest. Dieser macht Aussagen über das Niveau der kognitiven Entwicklung des jeweiligen Kindes.
Die Testverfahren müssen natürlich immer in Kombination mit der Entwicklungsgeschichte des jeweiligen Kindes interpretiert werden. Für die Begutachtung ziehe ich außerdem Arbeitsproben der Kinder hinzu.

Das Lehrerurteil und die Einschätzung durch die Eltern sind ebenfalls wichtig, um hochbegabte Kinder zu erkennen. Sie erreichen aber nicht den Grad der Objektivität, die durch eine Einschätzung durch Testverfahren erreicht wird. Lehrer entdecken hochbegabte Kinder, welche eine feinmotorische Schwäche, Teilleistungsstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie oder Konzentrationsprobleme haben oft nicht oder es wird irrtümlich ein AD(H)S vermutet.
Deshalb gibt in solchen Fällen oft nur ein Test darüber Auskunft, wo Stärken und Schwächen des Kindes liegen bzw. ob eine Hochbegabung oder eine überdurchschnittliche Begabung vorliegt.
Ein moderner, mehrdimensionaler Intelligenztest wurde an einer großen Stichprobe normiert und er hat Normen, die nicht älter als 8-12 Jahre sind. Außerdem sollten die Tests mehrdimensional messen, also nicht nur die grundlegende Denkfähigkeit im nicht-sprachlichen Bereich ermitteln, sondern auch ein Begabungsprofil erstellen, das viele Bereiche abdeckt (Sprache, Gedächtnis, abstrakt-logisches Denken, Verarbeitungsgeschwindigkeit, ...).
Wir vom Arbeitskreis Hochbegabung des Bundesverbands deutscher Psychologen bewerten die Testverfahren regelmäßig aufgrund der oben genannten Kriterien und wählen die geeignetsten Testinstrumente für Ihr Anliegen aus. Im unteren Textabschnitt beschreibe ich noch detailliert, welche Verfahren dabei häufig zu Einsatz kommen.

Bei Kindern ist Intelligenzmessung noch ungenauer als bei Erwachsenen, dies lieg daran, dass Entwicklung in Schüben verläuft und sich deshalb momentane Entwicklungsvorsprünge im höherem Alter noch angleichen können oder sich diese ausbauen. Die maximale Genauigkeit ist erst im Teenageralter erreicht.
Deshalb wird eine Testung von Kindern im Vorschulalter zwar empfohlen, aber eben mit dem Hinweis, dass sich momentane Entwicklungsvorsprünge nicht unbedingt bis zum Erwachsenalter erhalten werden. Idealerweise kann eine Intelligenztestung im Vorschulalter erfolgen, im Grundschulalter bei Bedarf wiederholt werden und mit ca 12-14 Jahren zur sicheren Einschätzung noch einmal durchgeführt werden.
Eine Früherkennung von Entwicklungsvorsprüngen durch Testverfahren ab dem Vorschulalter wird aus psychologischer Sicht dringend empfohlen, da Potentiale auch wieder versanden können, wenn die Umweltbedingungen ungünstig sind.
Kinder mit großen kognitiven Entwicklungsvorsprüngen können außerdem Probleme im Kindergarten und in der Schule bekommen, wenn sie lange Zeit unterfordert werden.

Wie läuft ein Test-und Beratungstermin ab?

Der gesamte Termin dauert ca. 3 Stunden und besteht aus einer Vorbesprechung, dem Intelligenztest an sich und aus einer Nachbesprechung mit der Rückmeldung und Interpretation der Ergebnisse. Vor der Testung erhalten die Eltern einen Fragebogen über die Entwicklung des Kindes zugeschickt, der von den Eltern ausgefüllt werden sollte.
Bei der Vorbesprechung werden Erklärungen zum Ablauf des Termins gegeben und der Kontakt zum Kind hergestellt.
Im Anschluß wird mit dem Kind in einer angstfreien und zur Leistung motivierenden Atmosphäre der Intelligenztest durchgeführt (Dauer -je nach Alter- 45-90 Minuten). Falls individuell nötig, wird auch die Langform des Tests oder ein zweites, kurzes Verfahren eingesetzt.
Danach erfolgt die Auswertung und gleich im Anschluß die Besprechung der Ergebnisse.
Es wird auf die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Schwierigkeiten (Defizite) des Kindes eingegangen und im Anschluß werden Empfehlungen zum weiteren Vorgehen (z. B. bzgl. der schulischen Situation) gegeben.

Kosten

3-stündige Testdurchführung (inklusive Testprotokoll 1-2 Seiten): 230 €, Bezahlung direkt am Termin in bar oder über Einzugsermächtigung ist erforderlich, Vorabüberweisung ist möglich.
Zusätzliches schriftliches Gutachten: 70 €.
Ort der Testung:
Grimmstr.1 / III , 80336 München.

In welchen Situationen empfiehlt es sich, sein Kind testen zu lassen

Bei Schulproblemen, um eine Über- oder Unterforderung festzustellen, um ein Begabungsprofil mit Stärken und Schwächen zu erhalten und um den besten Lernstil ermitteln zu lassen.
Bei einer vermuteten Hochbegabung, um das Kind besser zu verstehen und um angemessen fördern zu können.
Bei psychosomatischen Beschwerden.
Bei Lernproblemen ( z. B. Konzentrationsschwierigkeiten).
Bei Fragestellungen zur Einschulung
Vorteile von Intelligenztests bei Hochbegabung:
Sie erhalten Klarheit bzgl. Ihrer Vermutungen über die Intelligenz Ihres Kindes.
Sie bekommen Empfehlungen zum weiteren Umgang mit Ihrem Kind und über individuelle Förderungsmöglichkeiten.
Sie können nach der Bestätigung durch die testpsychologische Untersuchung die Hochbegabung Ihres Kindes nach außen (z.B. gegenüber Lehrern) besser vertreten und ggf. auch nachweisen.
Entscheidungshilfe zur weiteren Beschulung und/oder zum Überspringen einer Schulklasse.
Sie können Ihr Kind angemessen fördern oder fördern lassen.
Was sollten Eltern vor der Testdurchführung beachten?
Das Kind sollte ausgeschlafen und fit sein.
Der Test sollte am Vormittag oder am frühen Nachmittag erfolgen.
Das Kind sollte gesund sein.

Wie erkläre ich meinem Kind die Testung?

Jedem ist es natürlich selbst überlassen, wie und wieweit er sein Kind über die Testung informiert. (Das Kind sollte nach Möglichkeit zur Testung motiviert sein).
Trotzdem möchte ich noch einige Anregungen/Tipps geben.
Falls es Schwierigkeiten in der Schule oder im Kindergarten gibt bzw. das Kind über häufige Langeweile klagt:
Wir wollen gemeinsam herausfinden, warum es dir in der Schule/im Kindergarten nicht so gut gefällt, bzw. warum du dich manchmal langweilst. Wir gehen zu einer Frau, die uns hilft, das herauszufinden. Sie kennt sich gut mit Kindern aus(so ähnlich wie eine Kinderärztin).
Sie hat Aufgaben und Rätsel für dich und es wäre schön, wenn du dort gut mitmachst. Zeige ihr einfach mal was du schon so alles kannst und weißt.
Wenn du dir selber Gedanken machst, warum es dir nicht so gut gefällt (ggf. warum du mit den anderen Kindern/der Lehrerin nicht so gut zurecht kommst...) darfst du es der Frau dort auch gerne erzählen und vielleicht auch selber Vorschläge machen, was du gerne ändern würdest.
Andere Eltern informieren ihr Kind nur, dass sie wissen möchten welche Spiele besonders gut für das Kind geeignet sind (was es besonders gut kann) oder welche Kurse es mitmachen könnte. Der Termin diene dazu, dies herauszufinden.
Eventuell kann man ein Kind auch dadurch noch zusätzlich motivieren, dass man eine kleine Belohnung in Aussicht stellt (z.B. hinterher ein Eis essen gehen...)

Die Testverfahren

Ein IQ-Test ermöglicht eine Einschätzung der Höhe der Intelligenz. Das Testergebnis setzt die Fähigkeiten eines Kindes in Bezug zur jeweiligen Altersnorm und gibt somit an, ob das Kind im oder unter dem Durchschnitt liegt, über dem Durchschnitt oder weit darüber.

Verbale Einteilung der IQ-Werte (Einteilung nach den Wechsler-Testverfahren)

IQ unter 85: unterdurchschnittlich
IQ 85-114: durchschnittlich
IQ 115-129: überdurchschnittlich
ab IQ 130: Bereich weit überdurchschnittlicher Intelligenz (Bereich intellektueller Hochbegabung)

Intelligenztests lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Eindimensionale und mehrdimensionale Testverfahren

Eindimensionale Verfahren messen die grundlegende Denkfähigkeit in nicht-sprachlichen Bereich (kulturfair und non-verbal). Diese Verfahren sollten nur in Ausnahmefällen (z.B. das Kind spricht kaum Deutsch) alleine eingesetzt werden. Sie stellen aber in manchen Fällen eine gute Ergänzung zu den mehrdimensionalen Verfahren dar.

Ein mehrdimensionaler IQ-Test misst im vielen Bereichen und liefert somit ein Begabungsprofil. Mittels dieses Begabungsprofils kann eine Analyse der Stärken und Schwächen eines Kindes durchgeführt werden. Ein Intelligenztest sollte stets von erfahrenen Beratern mit ausgewiesener Expertise im Bereich Hochbegabung durchgeführt werden.

Überblick über häufig eingesetzte mehrdimensionale Verfahren

Vorschulalter
HAWIVA-III
K-ABC
BIVA

Schulalter
WISC-IV

AID 2
IST-2000 R
ISA

Eindimensionale Verfahren (ergänzend)

CFT 1
CFT 20-R
SON

Beschreibung wichtiger Intelligenztests

Vorschulalter:

WPPSI-III (Nachfolger des HAWIVA-III)

Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence
Neunormierung des HAWIVA-III an 710 Kindern (2009) von 2;6 Jahren bis 7;4 Jahren

Subskalen des WPPSI-III:
1. Verbalteil
2. Handlungsteil
3. Verarbeitungsgeschwindigkeit (optional)
4. Allgemeine Sprachskala (optional)
Begabungsprofil wird erstellt

Schulalter:

WISC-IV

Wechsler Intelligence Scale For Children - Forth Edition
Normiert an 1.650 Kindern von 6;0 Jahren bis 16;11 Jahren

Subskalen:
1. Sprachliches Verständnis
2. Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken
3. Verarbeitungsgeschwindigkeit
4. Arbeitsgedächtnis
Begabungsprofil wird erstellt